Home > Tagebuch > Eine neue Kultur > Kleine Zulu-Sprachkunde II

Egal, wem man begegnet: Familie und Wetter passen im Zululand immer, wenn es um Smalltalk geht. Deshalb hier der zweite Teil unserer kleinen isiZulu-Sprachkunde: Die Familie!

Was isiZulu für Europäer schwierig macht, ist vor allem eins: Es gibt zwölf Wortklassen für Substantive. Jede einzelne hat eigene Regeln und verändert die Art, wie z.B. ein Verb gebildet wird. Das u wird zum Beispiel meistens für Menschen (umuntu) genutzt. Wörter der ersten Klasse sind also zum Beispiel uLean, unser Sohn, oder uMerkel, die Bundeskanzlerin, oder uDokotela, der Arzt. Es gibt Ausnahmen, z.B. ushukela, der Zucker – eindeutig kein Mensch. Oder Streitfälle: In Mbongolwane wird oft diskutiert, ob der ushukela-getränkte Saft nun ujuice oder ijuice heisst.

DSC_umamaubaba

umama und ubaba

umamas

Sanibonani, odadewehtu (o, weil es mehrere sind…)

Die Familie ist jedenfalls fest in u-Hand. ubaba und umama dürften klar sein. ugogo ist die Oma und umkhulu der Opa, umfowethu der Bruder und udadewethu die Schwester. Aber Vorsicht: Das Ganze muss nicht unbedingt mit echten Verwandten zu tun haben, denn Zulus haben viele Mütter und Brüder. Selbst wenn man sich nicht kennt, spricht man sich so an – je nachdem, wie der Gegenüber im Vergleich zu einem selbst hierarchisch bzw. alterstechnisch einzuordnen ist. Wenn also vor der Kirche eine ältere Frauen herumsteht, lautet die Begrüssung: Sawubona, umama! unjani? Trifft man (als Mann!) in einer Bar auf einen Gleichaltrigen, würde man eher sagen: Sawubona, umfowethu! Unjani?

Sistas

oSisters badansa esontweni (Die Schwestern tanzen in der Kirche)

Zulu

Usisi umkaJulia ( Julias „Schwester“)

nkosikazi

unkosikazi umkaDaniel usebenza nabantwana (Daniels Frau arbeitet mit Kindern)

uNkosi ist auf isiZulu der König. uNkosikazi bedeutet wörtlich übersetzt grosser König, tatsächlich heisst es aber: Ehefrau! Ein schönes Wort, und ziemlich bezeichnend in einer stark patriarchalischen Kultur. Der Ehemann heisst übrigens offiziell indoda. Wenn man als Frau aber den Mann als indoda vorstellt, ist das nicht unbedingt freundlich, sondern eher so: Das ist mein Kerl! Viel besser und gefühlvoller ist umkhwenyana wami: Mein Ehemann! Das Kind heisst umtwana, hat man eine ganze Schar davon, sind es die abantwana. Der Freund wird umngane genannt, der Europäer aka Weissbrot ist uMlungu.

abantwana

abantwana bayaganga (Die Kinder machen Blödsinn)

Collega

umsebenzi omunye nomngane omaduze (Eine Kollegin und Freundin)

Klicklaute gibt es innerhalb der Familie gottseidank keine, jedenfalls nicht bei den wichtigsten Wörtern. Trotzdem hier ein kleines Video von einer Frau, die wir bei einem unserer Trips getroffen haben – und die ganz gut erklärt, wo Klicks herkommen und wie sie ausgesprochen werden. Dabei kann man sich ganz wunderbar die Zunge verrenken.

Text & Fotos: fuexxe

2 Comments, RSS

  • Christine Ulrich

    says on:
    12. Mai 2016 at 23:43

    Sehr interessant! Zum Glück muss ich das nicht lernen 🙂

    • fuexxe

      says on:
      13. Mai 2016 at 8:42

      Ja, manchmal ist es hart, das stimmt. Aber es ist wirklich eine schöne Sprache, lohnt sich also! Und niemals nie sagen 🙂 Viele Grüsse!

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