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    Seit in Deutschland die Uhren umgestellt worden sind, haben wir eine Stunde Zeitunterschied. In Südafrika gibt es keine Sommerzeit – und das ist einer der Gründe, warum es bei uns an der Ostküste momentan schon um fünf Uhr morgens hell wird. Im Hochsommer, also im Dezember, geht die Sonne sogar schon um 4:40 Uhr auf. Da fängt dann endgültig der frühe Vogel den Wurm. Dafür wird es abends auch spätestens um 19 Uhr dunkel – und die meisten Leute gehen zwischen acht und zehn Uhr ins Bett, um im Morgengrauen fit zu sein.

    Sunset

    Der frühe Vogel fängt den Wurm

    Südafrika liegt geographisch in mindestens zwei Zeitzonen, aber trotzdem haben alle Regionen die gleiche Uhrzeit. Auf der einen Seite die Westküste und die Region um Kapstadt, auf der anderen die Ostküste um Durban und unsere Heimat KwaZulu-Natal (KZN). Hier geht die Sonne ganzjährig eine Stunde früher auf als in Kapstadt. Dort fühlen sich Nachtschwärmer wohl, in KZN sind eher die Frühaufsteher zuhause. Würde man unterschiedliche Zeitzonen einführen, sagen Experten, würde das bei Handel und Kommunikation große Probleme zwischen den Industriezentren Kapstadt, Johannesburg und Durban  verursachen. Dafür würde unser Sohn vielleicht wieder etwas länger schlafen, anstatt schon im Morgengrauen Seemannslieder zu singen. Auch wenn das außer uns niemanden interessiert.

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    Petri Heil!

    Wir haben unseren Rhythmus jedenfalls längst auf südafrikanische Verhältnisse umgestellt. An heißen Tagen brennt die Sonne schon um halb sieben unbarmherzig vom Himmel, wenn man morgens joggen geht. An Julias Arbeitsplatz in Mbongolwane, der weiter im Inland liegt, ist es in der Regel sogar noch deutlich wärmer als in Eshowe; diese Woche sollen es bis zu 39 Grad werden. Auch deshalb fangen die Schwestern und auch die Farmer in der Gegend schon um vier Uhr morgens mit der Arbeit an. Feierabend, jedenfalls bei den Farmern, ist dann um zwei Uhr nachmittags. Siesta is calling.

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    Heiße Tage in Mbongolwane

    Viele Südafrikaner diskutieren längst über die Einführung einer Daylight Saving Time, die für längere Abende sorgen würde. Erst recht kocht dieses Thema hoch, wenn die Energiekrise (siehe Blogeitrag hier) mal wieder für Stromausfall und Dunkelheit zum Abendessen sorgt. In Durban hat die Politik im letzten Jahr eine Studie in Auftrag gegeben, um die Einführung einer Sommerzeit zu prüfen – allerdings mit negativem Ergebnis. Der Tenor: Viele Leute müssten dann morgens im Dunkeln aufstehen, und die mit einer Umstellung verbundenen Kosten wären höher als die gesparte Energie. Vielleicht hat aber auch einer unserer Bekannten aus Eshowe recht, wenn er sagt: „Die Politiker trauen es den Leuten einfach nicht zu, sich umzustellen.“

    Text&Fotos: fuexxe/J@M€S

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