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    Mitten in der Trockenzeit ist KwaZulu-Natal von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht worden. Das Kinderheim war für einige Tage von der Außenwelt abgeschnitten.

    Regen ist in Südafrika etwas anderes als in Deutschland. Die Menschen feiern ihn wie einen guten Freund, der selten vorbeikommt. In der letzten Woche trafen sich die Farmer aus Eshowe, um mitten in der Trockenzeit einen unverhofften Regenguss zu feiern. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, welche Sintflut in den Stunden danach vom Himmel kommen würde. 250mm in zwei Tagen bedeuten die zehnfache Menge des Monatsdurchschnitts. Wir haben mit Abstand den stärksten Regen erlebt, seit wir in diesem Land leben. Entsprechend sah es in Eshowe und Mbongolwane dann auch aus: Überschwemmte Straßen, übergelaufene Seen, Menschen, die auf Booten über Straßen und Felder paddeln und Autos, die reihenweise in den reißenden Fluten versinken.

    In Mbongolwane hatte der Regen ebenfalls drastische Folgen: Eine Brücke hielt den Wassermassen nicht stand und stürzte ein (siehe Video), drei Jugendliche starben beim Überqueren eines überschwemmten Flusses. Schulen blieben geschlossen, das Leben stand mehr oder weniger still. Immerhin blieb das Kinderheim St. Joseph verschont, weil die Missionsstation auf einer Anhöhe steht. Die Straße zwischen Eshowe und Mbongolwane allerdings war tagelang nicht passierbar. Faktisch war unser Arbeitsplatz von der Außenwelt abgeschnitten. Die Sozialarbeiterin schaffte es am Tag der großen Sintflut ins Kinderheim, musste aber nachmittags von der Polizei nach Hause gebracht werden, weil es keine passierbaren Straßen mehr gab. Erst heute morgen haben wir die Nachricht bekommen, auf die wir gehofft hatten: Übers Wochenende entstand eine Schotterpiste durch den Fluss, eine afrikanische Lösung, die vorerst hoffentlich halten wird. Bis die Brücke wieder steht, wird es lange dauern.

    Dürre am Kap, Sintflut im Zululand

    Das Wetter in Südafrika spielt verrückt: Während es hier mitten in der Trockenzeit aus Kübeln gießt, erlebt die Provinz Western Cape noch immer die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. In der Gegend um Kapstadt hat es seit Monaten nicht vernünftig geregnet. Lange Zeit war sogar die Rede vom „Day Zero“, an dem die öffentliche Wasserversorgung für Millionen von Bewohner gekappt wird. Diese Gefahr scheint vorerst gebannt, aber trotzdem ist die Trockenheit weiterhin dramatisch. Auch unsere Provinz ging bis 2016 durch eine schlimme Dürreperiode, die sich auf alle Bereiche des täglichen Lebens auswirkte. Bis heute sind Trinkwasserreservoirs nur spärlich gefüllt. In Eshowe gab es jahrelang Restriktionen, teilweise kam nur für wenige Stunden pro Tag Wasser aus den Hähnen. Aber spätestens seit der letzten „rainy season“ von Oktober bis April kehrt der Regen zurück. Das Zuckerrohr auf den Feldern ist tiefgrün und riesig groß, die Landwirtschaft floriert und die Restriktionen beim Wasser wurden gelockert. „We need the rain“, lautet noch immer das allgemeine Mantra bei jedem Regentropfen. Ganz so viel wie in der vergangenen Woche muss es aber wirklich nicht sein.

     

    Die Reste des Reservoirs, das Kapstadt mit Trinkwasser versorgt, aus dem Flugzeug

    Text & Fotos: fuexxe

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