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    Das Leben im Zululand ist jeden Tag wieder eine Herausforderung, weil negative Nachrichten den Alltag bestimmen. Trotzdem leben wir gerne hier. Warum eigentlich?

    „Jaja, es stimmt schon. Unser Präsident ist furchtbar, im Parlament prügeln sich die Politiker, die Armut wird immer schlimmer und HIV ist ein Riesenproblem. Immer geht es um Schwarz und Weiß und Rassismus. Wir haben gerade eine Dürre überstanden und unsere Straßen sind voller Löcher. Habe ich was vergessen?“, sagt ein junger Südafrikaner und zeigt mir sein breitestes Lächeln. „Aber weißt Du was? Es gibt keinen besseren Ort zum Leben auf der ganzen Welt!“

    Lauter negative Dinge aufzählen und sie dann ins Positive drehen? Das Glas gegen alle Widerstände immer halbvoll sehen? Diese Einstellung zum Leben ist typisch südafrikanisch, auch wenn sie oft keiner sachlichen Analyse standhält. Aber wir haben begriffen, dass „sachlich“ und „analysieren“ deutsche Kategorien sind, die im Zululand kaum eine Rolle spielen. Viele Leute hier denken mit dem Herzen und handeln emotional, sie sind ziemlich chaotisch und lassen Regeln auch mal Regeln sein, sie sind spontan und haben Spaß am Leben – auch wenn die Aussichten trüb sind. Manchmal treibt es einen in den Wahnsinn, wie flexibel man sein muss, um hier zurechtzukommen, und wie wichtig positives Denken ist, um jeden Tag mit frischem Mut zu starten. Trotzdem hat dieses Leben eine große Anziehungskraft: Grau ist hier wenig, jeder Tag ist anders und bunt. Man fühlt sich nah am Puls des Lebens, weil einem das Gute und das Schlechte pur und ungefiltert in die Augen sticht.

    Let’s make a plan

    Probleme sind da, um irgendwie bewältigt zu werden: Im Zululand gibt es für alles eine Lösung. Sie mag nicht direkt, einfach und nachvollziehbar, klinisch rein und perfekt organisiert sein, aber sie führt trotzdem zum Ziel. Die Antwort auf eine Herausforderung lautet fast immer: „Let’s make a plan!“ Allein der Satz zeigt, wie die Menschen hier ticken: Langfristigkeit ist nicht ihre Stärke, aber wenn ein Problem auftaucht, finden sie an Ort und Stelle eine Lösung. Klar geht das oft schief, aber es bietet auch Raum für unkonventionelle Ideen. Weil viele Leute am Ende des Monats kein Geld mehr für Essen haben, verkaufen Supermärkte am Anfang wie wild Gutscheine für die dürren Tage danach. Weil er kein Geld verdient, baut ein Mann in Mbongolwane eine Schubkarre und vermietet sie für ein paar Münzen an Leute, die den weiten Weg zum Brunnen laufen müssen, um Wasser zu holen. Unser indischer Mechaniker bekommt kein Ersatzteil fürs kaputte Handschuhfach – und baut einfach selbst einen neuen Verschluss. Und ein Bekannter züchtet plötzlich exotische Vögel und verschickt sie in den arabischen Raum, weil er Geld verdienen muss, während seine Farm sich von der Dürre erholt.

    Ein Teil von uns wird in Zukunft (hoffentlich) südafrikanisch sein. Das ist eine gute Nachricht. Denn auch wenn es oft genug kracht, der Frust uns übermannt und alles zu viel ist: Es gab noch keine lang anhaltende Phase, in der wir unsere Zelte im Zululand abbrechen wollten. Das liegt auch daran, dass wir noch immer in jeder freien Minute die unberührte Natur um uns herum erkunden. Eshowe ist ein Paradies für Abenteurer: In ein paar Stunden Fahrt erreicht man von hier aus jedes Naturschauspiel, das man sich vorstellen kann. Wilde Küsten, weiße Strände, tausende Hügel, tiefe Schluchten, Skilifte in Lesotho, heiße Quellen, wilde Tiere und – wenn man will – auch die Dreimillionenstadt Durban. Kein Wunder, dass viele Menschen, die hier aufgewachsen sind, diesen Ort niemals verlassen wollen. Wir genießen unser Abenteuer auf Zeit. Und selbst wenn die Tiefpunkte ein bisschen tiefer sind als zuhause, sind die Höhepunkte oft auch ein bißchen höher.

    Text & Fotos: fuexxe

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