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    Amblyomma, eine Gattung der Schildzecken, übertragen das Bakterium Rickettsia africae, Auslöser des Afrikanischen Zeckenbissfiebers. Auf der Suche nach frischem Blut hat sich ein Eshower Rudel dieser unangenehmen Spezies ein weißhäutiges Opfer gesucht – und kaltblütig zugebissen. Ohne Gewissensbisse. Leidtragende war eine unschuldige Dame in den besten Jahren, die in ihrem bisherigen Leben keiner Zecke was zuleide getan hat. Die bis heute jede schnöde Schabe mit grenzenloser Liebe vor die Tür kehrte, Grashüpfer freundlich in ihr natürliches Habitat zurückpustete und hunderte Spinnen durch blitzartige Flucht vor dem Überlebenskampf bewahrte. Und das soll der Dank sein? Bisswütige Amblyomma! Porige Pusteln am ganzen Körper! Zeckenkontrolle alle 47 Minuten! Tränenreiche Umarmungen eines homosexuellen Doktors!

    Professionelle Zeckensuche vor dem Haus

    Professionelle Biester-Suche

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    Zeckenbiss A17, im Prozess der Heilung

    Jaja, Julia war ein paar Tage krankgeschrieben, weil sie nach einer zweistelligen Zahl von Zeckenbissen mit dem African Tick Bite Fever infiziert war. Die kleinen Biester sind in dieser Gegend ziemlich verbreitet, vor allem im trockenen Winter. Wo genau das Ganze passiert ist, bleibt rätselhaft, und auch, warum der Rest der Fuxx-Familie bis auf je einen Minibiss verschont blieb. Die tapfere Patientin musste alleine alle klassischen Symptome durchleben (Fieber, Kopfweh, Müdigkeit, Ausschlag, Jucken und hässlich-eiternde Stiche) und viele bunte Pillen schlucken (siehe unten). Für eine überzeugte Homöopathin eine schwere Prüfung. Inzwischen ist sie aber wieder auf dem Damm, und im Gegensatz zur europäischen Zecke bleibt im Blut (normalerweise) nichts zurück. Alles gut also, und: Wir haben wieder ein paar neue Aspekte des südafrikanischen Lebens kennengelernt.

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    Bei Medikamenten gilt: Mehr ist mehr!

    Erstens: Südafrikaner sind ziemlich entspannt. Ein Lächeln gepaart mit dem Spruch „Ticks? Where did you find them?“ war eine weit verbreitete Reaktion. Hat auch direkt mit Nummer zwei zu tun: Arbeitsmoral. Als Julia am dritten Tag wieder halbwegs fit bei der Arbeit erschien, wurde sie von den Schwestern angestarrt wie eine seltene Spezies vom Planeten Vulkan. „You need to rest, Julia. What are you doing here?“ Führt wiederum direkt zu Nummer drei, den udokothelas. Beim ersten Arzt dauerte es im Wartezimmer ziemlich lange, und eine gewichtige Dame hinterm Plastikschalter überreichte Julia viele bunte Pillen in durchsichtigen Plastiktüten. Darunter drei Antibiotika gleichzeitig. Der zweite Arzt überraschte dann mit einer äußerst femininen Ader, er schwebte gewissermaßen auf rosa Flügeln durchs Zimmer. Aber auch sehr kompetent. Er stellte sofort die richtige Diagnose, wirkte beruhigend auf die Patientin ein und verschrieb das erlösende Medikament. Kostenlos dazu gab es alternative Therapien. „You have so many bites, and your husband none? Oh no, my dear. Come here. I’ll give you a hug!“ Wunderbar.

    Fotos: fuexxe/frankieleon/John Tann

     

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