Home > Tagebuch > Everyday Life > Auf dem Weg zur Schule

    Unser Sohn ist vier Jahre alt und geht in den Kindergarten der Holy Childhood School in Eshowe. Viele andere Kinder haben nicht dieselben Möglichkeiten. Ein Ausflug ins südafrikanische Bildungssystem.

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    Auf der Mauer, auf der Lauer

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    Her mit der Knete!

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    Ich bin Baker-Baker!

    In den letzten sieben Monaten hat Lean Englisch gelernt und neue Freunde gefunden – in einer privaten Creche (=Kindergarten) auf dem Gelände der Holy Childhood School in Eshowe, die für 3- und 4-jährige offen steht. In Leans “Fruity Tots”-Gruppe waren 18 Kinder, die von einer engagierten Pädagogin und ein bis zwei Betreuerinnen umsorgt wurden. Fast jeden Tag gab es spannende Aktivitäten: Beim Bring & Share hat Lean seinen Kollegen erklärt, welche Tiere es in Deutschland gibt oder wie Schnee aussieht. Bei Baker-Baker verkaufte er selbstgemachte Muffins für Spielgeld in einem kleinen Kaufladen. Immer freitags war Farm Day: Ein riesiger Abenteuerspielplatz auf einer Farm ausserhalb von Eshowe. Lean hatte eine Superzeit, und wir haben grosses Glück gehabt. Denn: In ländlichen Gebieten wie Mbongolwane sieht Kindergarten ganz anders aus. Dort tummeln sich manchmal 75 Kinder in der Creche – in einer einzigen Gruppe!!

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    Schulkind, fröhlich

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    Kindergartenkind, jut drupp

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    Kindergartenkind, verschmitzt

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    Kindergartenkind, grinsend

    Das Kindergarten- bzw. Schuljahr beginnt nach den Sommerferien Mitte Januar. Seit gut einer Woche besucht Lean Grade 00, weil er dieses Jahr fünf wird (für die Einteilung zählt, welches Alter ein Kind im laufenden Jahr erreicht). Zusammen mit seinen Freunden aus dem letzten Jahr ist er nun Teil einer grösseren Gruppe (35 Kinder), bunt nach Hautfarben gemischt – aber es bleibt eine Privatschule mit sehr gutem Standard. Der Alltag ist viel verschulter als in Deutschland. Es wird gespielt, aber es gibt auch schulische Aktivitäten, zum Beispiel Übungen fürs Rechnen, Lesen und Schreiben. Kinder werden streng zur Höflichkeit erzogen und müssen sich an viele Regeln halten. Ab der ersten Klasse sind Schuluniformen und ordentliche Frisuren (!) Pflicht. Outdoor-Aktivitäten und Sport spielen eine viel grössere Rolle als in Deutschland. Für Lean scheint das zu passen: Er liebt die Schule seit dem ersten Tag. Und inzwischen kann er sich auch mit Freunden und der Lehrerin auf Englisch unterhalten.

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    Haariges Regelwerk

    Schulausflug

    Schulausflug mit Weissbrot

    Zwischen 7 und 16 Jahren besteht in Südafrika Schulpflicht, jedes Kind hat laut Verfassung einen Anspruch auf Bildung. Tatsächlich geht fast jedes Kind zur Schule, und zwar meistens mit Freude und Stolz. Trotzdem klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ein grosses Loch. Wir kennen Schulen im Zululand, einer unserer Bekannten ist Lehrer an einer Public School. Die qualitativen Unterschiede sind unglaublich. Es fehlt – vor allem in armen Gegenden auf dem Land und in Townships – an allem. Es herrscht Mangel an ausgebildeten Lehrern, Schulräume und -materalien sind oft in einem erbärmlichen Zustand. Das führt dazu, dass Public Schools häufig so niedrige Standards setzen, dass die Schüler Probleme mit einfachsten Aufgaben haben. Viele Lehrer sprechen kaum Englisch, entsprechend schlecht sind die Leistungen der Schüler – obwohl gutes Englisch eine Schlüsselqualifikation für sozialen Aufstieg ist. Die Arbeit mit Computern oder modernen Lernmaterialien kennen diese Kinder überhaupt nicht. Das Erbe der Apartheid lebt weiter: In schwarzen Communities bedeutet Schule häufig einen qualitativ schlechten Massenbetrieb, während sich vor allem Weisse und Asiaten einen höheren Standard leisten können. Mit dieser Realität der Zweiklassengesellschaft müssen wir umgehen, wie in vielen anderen Lebensbereichen auch.

    Text & Fotos: fuexxe

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