Die heutigen Wahlen in Südafrika sind auch ein Votum über die seit über 20 Jahren anhaltende Alleinherrschaft des ANC. Korruption ist eines der grössten Probleme.

    Die letzten Kilometer der Strasse nach Mbongolwane waren lange Zeit Dirt Road, also ungeteerte Sandpiste. Ein Schild hat Bauarbeiten angekündigt, an manchen Tagen waren Arbeiter unterwegs, immer wieder sah es so aus, als ob es endlich losgeht – aber am Ende ist nie etwas passiert. „You have to wait for elections“, hat eine Schwester uns schon im letzten Jahr erklärt. „Then they will be busy building the road!“ Damals haben wir ungläubig gelächelt, inzwischen wissen wir, dass sie Recht hatte. Am heutigen 3. August sind Kommunalwahlen, es geht darum, wer in den kommenden Jahren die Gemeinden regiert. Und siehe da: Vor ein paar Wochen wurde die Strasse fast komplett geteert.

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    ANC Party People

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    Strassenbau vor den Wahlen

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    Posten in der Politik bedeuten bei vielen ANC-Funktionären vor allem eins: Geld

    Plakate

    Wer darf’s sein?

    Allgegenwärtige Korruption

    Der African National Congress (ANC), die Partei des grossen Nelson Mandela, regiert Südafrika mit Zweidrittelmehrheit. Doch die Opposition riecht Morgenluft: Sie propagiert den Anfang einer neuen Ära, in der die Macht des ANC gebrochen und die Korruption eingedämmt wird. Tatsächlich ist die Partei der Freiheitskämpfer ein Schatten ihrer selbst. In den Wochen vor der Wahl wurden 12 ANC-Kandidaten in KwaZulu-Natal erschossen, vermutlich wegen interner Streitigkeiten um lukrative Posten. Für viele bedeutet ein politisches Amt vor allem eins: Persönliche Bereicherung. Präsident Jacob Zuma lebt es vor. Er ist vor und während seiner Zeit als Staatsoberhaupt in fast 800 Korruptionsklagen verwickelt gewesen. Erst kürzlich hat der Oberste Gerichtshof entschieden, dass er eine halbe Mio. Euro für Reparaturen an seinem Privatanwesen zurückzahlen muss. Dort hatte er unter anderem ein Schwimmbad, eine Privatklinik, ein Amphitheater und einen Hubschrauberlandeplatz auf Staatskosten bauen lassen, weil sie angeblich zur Sicherheit des Staatschefs notwendig gewesen seien.

    Gleichzeitig sind mehr als ein Viertel der Menschen im Land arbeitslos, die Hälfte lebt unter der Armutsgrenze. Die Wirtschaft schwächelt, die Qualität der Bildung ist schlecht. Die Ironie besteht darin, dass besonders auf dem Land, wo die Armut am grössten und der Grad der Bildung am kleinsten ist, der ANC unangefochten regiert. Für viele Familien auf dem Land sind die staatlichen Social Grants (Kindergeld, Altersrente etc.) das einzige Einkommen, um zu überleben – und lokale ANC-Kandidaten machen Wahlkampf mit Aussagen wie: Wenn ihr andere wählt, werden sie Euch die Sozialhilfe wegnehmen!  Die gute Nachricht ist: Immer mehr Menschen haben genug von der Korruption – und davon, dass sich so wenig in Südafrika zum Positiven entwickelt. Erstmals scheint es bei diesen Wahlen möglich, dass die Opposition in Metropolen wie Johannesburg, Pretoria und Port Elizabeth die Macht übernimmt. Auch sonst muss der ANC mit Verlusten rechnen.

    Tintenfleck am Daumen

    Wer in Südafrika wählen geht, bekommt als Beweis einen mit Tinte markierten Daumen, „damit er nicht zehn Mal wiederkommt“. In Eshowe und Mbongolwane machen der ANC bzw. die lokale Partei IFP den Sieg unter sich aus; seit Wochen fahren ab morgens um Fünf Pick-Ups mit Megaphonen herum, die lautstark auf Stimmenfang gehen. Wir sind froh, wenn die Wahlen vorbei sind – und sich die Strassensperren und teilweise gewalttätigen Demonstrationen endlich wieder beruhigen. Leider muss man sagen: Es brodelt im Land, die Menschen begehren auf, weil sich ihr Leben trotz grosser Versprechungen nicht verbessert. Es reicht eben nicht, wenn alle paar Jahre ein paar Strassen geteert werden.

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    Tinte am Finger: Stimme abgegeben

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    Gefährlicher Populist: Julius Malema

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    Auf dem Weg zur Wahlurne

    Wahlstation

    Einsame Wahlstation

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    Vater der Nation und des ANC: Nelson Mandela

    Text & Fotos: fuexxe, flickr

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