Home > Tagebuch > Abenteuer Natur > Poachers‘ moon

    Wilde Tiere sind einer der größten Schätze, den die Provinz KwaZulu-Natal besitzt. Die Frage lautet: Wie lange noch? Wilderer machen in den Nationalparks im Zululand Jagd auf Nashörner – und schrecken vor nichts zurück.

    Der Hluhluwe/iMfolozi National Park liegt zwei Stunden von uns entfernt, Fotos haben wir hier hochgeladen. Für uns ist der Park ein Paradies, um wilde Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Leider entwickelt er sich auch zu einem immer beliebteren Jagdrevier für Wilderer. Bei einem Besuch haben wir ein totes Nashorn gesehen, wenige Meter von der Straße entfernt, voll mit Aasgeiern. Anfang Juli wurden im Hluhluwe sechs Nashörner in einer Nacht ermordet, seit Jahresbeginn sind alleine in KwaZulu-Natal 140 Tiere gestorben. Seit der Kruger National Park seine Sicherheitsmaßnahmen verschärft hat, rücken Nationalparks in KwaZulu-Natal stärker in den Fokus der poacher. Die Nashorn-Population ist dort größer als irgendwo sonst; bei unseren Besuchen haben wir immer mehrere Dickhäuter in freier Wildbahn gesehen. Ironie des Schicksals: Genau dort, wo das Breitmaulnashorn (white rhino) Ende des 19. Jahrhunderts vor dem Aussterben gerettet wurde, wird es mehr als 120 Jahre später wieder erbarmungslos gejagt.

    Für Wilderer geht es um viel Geld

    Besonders bei Vollmond – im Volksmund poachers‘ moon – schlagen die Wilderer zu. 70.000 Dollar ist ein Kilo Horn auf dem Schwarzmarkt wert, deutlich mehr als Gold oder Kokain. In China und Vietnam werden Riesensummen für die Hörner bezahlt, weil ihnen magische Kräfte nachgesagt werden. Gemahlen sollen sie Krebs heilen und die Potenz steigern – obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass nichts davon auch nur ansatzweise stimmt. Jedenfalls geht es um so viel Geld, dass die Kriminellen keine Skrupel kennen. Vor einigen Wochen wurde ein geschlossenes und gesichertes Gehege von KZN Wildlife angegriffen; bei einer Auktion sollten einige Nashörner an andere Parks verteilt werden. Statt dessen kamen bewaffnete Wilderer, überwältigten das Wachpersonal und ermordeten eine Nashornmutter und ihr Baby – direkt unter den Augen der Organisation, die die Wildtiere eigentlich schützen soll.

    2017 war bislang ein schlimmes Jahr in Sachen rhino poaching. Der Krieg zwischen Wilderern und Tierschützern eskaliert: Durchschnittlich drei Nashörner pro Tag sterben in Südafrika, weit über 1000 Tiere pro Jahr. Die Provinz KwaZulu-Natal befindet sich im Epizentrum dieses Bebens, weil hier mehr Nashörner leben als irgendwo anders. Gleichzeitig wurden Schätzungen zufolge in den letzten drei Jahren mehr als 300 Wilderer erschossen, die meisten davon bitterarme Menschen vom Land, die irgendwie ihre Familien ernähren wollen. Ihnen gegenüber stehen die Ranger in den Nationalparks, die mit scharfen Waffen ums Überleben  der geschützten Nashörner kämpfen. So wie Mbongani, der Vater von Leans Nanny Buyi, der für KZN Wildlife bei der rhino police in verschiedenen Nationalparks arbeitet. Für Lean ein Traumjob, in Wahrheit aber eine richtig gefährliche Arbeit.

    Wilderer können kaum gestoppt werden

    Etwa 70 Prozent der knapp 30.000 verbliebenen Spitz- und Breitmaulnashörner weltweit leben in Südafrika. Doch viele Experten und Aktivisten blicken pessimistisch in die Zukunft: Millionensummen wurden in den Kampf gegen poaching investiert (zum Beispiel vom Sohn von Warren Buffett), dennoch steigt die Zahl der toten Nashörner Jahr für Jahr. Nun haben vor einigen Monaten auch noch Gerichte entschieden, dass der Handel mit rhino horn in Südafrika teilweise legalisiert werden soll. Hauptsächlich aufgrund von Züchtern, die mit ihren Tieren kontrollierten Handel treiben wollen – und daran glauben, dass eine Legalisierung das illegale Geschäft und die Angriffe in freier Wildbahn eindämmen wird.

    Ob es so kommen wird, ist fraglich. Stattdessen werben Leute wie Ray Dearlove, Gründer des Australian Rhino Project, für Aufklärung an der südafrikanischen Basis. „Lokale Communitites müssen lernen, dass lebendige Nashörner und Elefanten für sie wertvoller sind als tote. Leider ist das eine Mammutaufgabe, die mindestens eine Generation dauern wird. Bis dahin wird es zu spät sein.“ Die traurige Realität ist: Wenn es so weiter geht, werden Nashörner noch während unserer Lebenszeit aussterben – manchen Schätzungen zufolge sogar bis 2030.

    Wen das Thema interessiert: Hier eine frei zugängliche Doku von Al-Jazeera über das schmutzige Geschäft mit Nashörnern.

    Text & Fotos: fuexxe

     

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