Nicht weit vom Hluhluwe National Park haben wir kürzlich unseren ersten Gepard gesehen – in einem Resozialisierungsprojekt für Raubkatzen.

    „Did you see any cats?“ Wenn man von einem Kurztrip in den Nationalpark zurückkehrt, stellen Südafrikaner diese Frage meistens zuerst. Löwe, Leopard, Gepard, Serval, Karakal und Falbkatze sind zwar in Südafrika verbreitet, aber die Bestände vieler Arten sind gefährdet. Umso aufregender ist es, sie in freier Wildbahn zu entdecken – leider meist aus grosser Entfernung, wenn überhaupt. In der Nähe des Hluhluwe National Park, an einer Autobahnausfahrt mit dem schönen Namen „Bushlands“, gibt es allerdings eine Möglichkeit, ihnen ganz nahe zu kommen: Das Emdoneni Cheetah Project.

    Cheetah2

    Serval

    Cubs2

    Release

    Gepard und Ferrari

    Seit 1994 nimmt das Projekt verletzte Wildkatzen auf, sorgt für Nachwuchs und bereitet die Tiere auf die Rückkehr in die freie Natur vor. Man kann dort auch in einer teuren Lodge übernachten, aber wir haben nur das Projekt besucht. Für Interessierte gibt es zwei Führungen pro Tag. Ein Ranger nimmt einen mit zu den Tieren und erklärt ihre Besonderheiten – zum Beispiel, dass Geparden mit bis zu 110 kmh die schnellsten Tiere der Welt sind und schneller beschleunigen als ein Ferrari. Dass sie ihre langen Krallen wie Spikes nutzen, oder dass ihr langer Schwanz als Steuerruder dient, um bei hohem Tempo Haken zu schlagen. Nach einer intensiven Einführung darf man Tiere, die nicht mehr ausgewildert werden können, sogar berühren. Allerdings nur, wenn seine Majestät auch Lust hat. Kratzen und Schläge für unsympathische Besucher sind keine Seltenheit. Tatsächlich wird einem Auge in Auge mit einem Gepard schnell klar, dass man sich nicht im Zoo befindet.

    Das Geld, das mit Besuchern verdient wird, stecken die Gründer des Projekts in die Aufzucht und Auswilderung ihrer Katzen. Über viele Kilometer in den Busch hinein erstrecken sich immer grössere Jagdgebiete, in denen die Tiere lernen, auf eigene Faust zu überleben – und vom Menschen entwöhnt werden. Ausserdem arbeiten die Betreiber mit anderen, ähnlichen Projekten zusammen – und organisieren den Austausch von Katzenweibchen und -männchen, um die genetische Vielfalt der Arten zu sichern. Es gibt auch eine Partnerschaft mit KZN Wildlife, die für die staatlichen Nationalparks in der Provinz KwaZulu-Natal verantwortlich sind.

    Katzenjammer

    Für unseren Sohn Lean (und für uns) war der Trip in die Bushlands eines der Highlights in diesem südafrikanischen Winter – nicht umsonst ist der Leopard sein absolutes Lieblingstier. Im Emdoneni Project kann man übrigens für eine satte Spende auch Wildkatzen adoptieren, etwa die Herren Moya, Shadow und Storm. Haben wir unserem Jüngsten allerdings nicht erzählt. Der soll keinen Gepard adoptieren, sondern lieber im Nationalpark Ausschau nach ihnen halten. Alles andere könnte im Katzenjammer enden.

    Cheetah1

    Caracal

    Cubs3

    Wild

    Text & Fotos: fuexxe

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