Home > Tagebuch > Leben als Expat > Corona: Isoliert in Afrika

    Bis Ende April bleibt es in Südafrika verboten, das Haus zu verlassen. Aber Corona ist nicht der einzige Feind, vor dem sich das Land fürchten muss.

    Noch immer steckt Südafrika in einem der strengsten Lockdowns weltweit. Kurz vor Ostern hat Präsident Ramaphosa den Hausarrest um zwei weitere Wochen bis Ende April verlängert, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Die offiziellen Zahlen: 3158 Infizierte, 54 Tote. Im Vergleich zu Europa und den USA sind diese Zahlen niedrig. Auf dem afrikanischen Kontinent ist Südafrika dagegen das am stärksten betroffene Land.

    Zufahrtsstraßen sind während dem Lockdown gesperrt

    Strandbesuch in Zeiten von Corona

     

    Social Distancing muss man sich leisten können

    Alles nicht so schlimm vs. zehn Millionen Corona-Infizierte

    Unsere Stimmungslage in der Quarantäne ist gespalten: Einerseits sind wir entspannt, haben viel Zeit als Familie. Die Infektionszahlen sind immer noch niedrig, die Zahl der Toten auch. Es herrscht eine gespannte Ruhe im ganzen Land. Andererseits haben wir die Schätzungen der WHO gelesen, wonach in den nächsten sechs Monaten zehn Millionen Menschen in Afrika an Corona erkranken könnten – mit verheerenden Folgen für die schwachen Gesundheitssysteme. Einerseits gibt es in Eshowe noch keinen bestätigten Fall, andererseits sehen wir, wie Menschen schon jetzt an ihre Grenzen geraten, weil sie nicht mehr genug zum Überleben haben. Fast täglich poppen auf Whatsapp Hilfsaufrufe für Bekannte auf, deren Ersparnisse aufgebraucht sind. Mitarbeiter im Kinderheim, die nicht arbeiten können, weil sie ihre eigenen Kinder hüten müssen. Der Barkeeper am Club, der als Einziger in der Familie einen Job hat. Der Parkplatzwächter, dem die Existenzgrundlage entzogen wurde. Im Gegensatz zur dünnen Oberschicht, zu der wir als Europäer zählen, geht es bei diesen Leuten nicht um Langeweile im Lockdown, sondern ums nackte Überleben.

    Militär in den Straßen

    Die Not vieler Menschen führt zu weiteren Konflikten. Militär und Polizei sind angehalten, für die Einhaltung von Social Distancing zu sorgen. Aber wie soll das gehen, wenn man mit Hunderttausenden auf engstem Raum in einem Township lebt? Sich zu fünft eine Blechhütte ohne fließendes Wasser teilt? Wenn man mit Hunderten in der Schlange stehen muss, um an Sozialhilfe oder Vorräte zu kommen? Auch in Eshowe sind Straßen und Geschäfte ständig überfüllt, weil kein durchschnittlicher Südafrikaner für mehrere Tage und Wochen Vorräte anlegen kann. Dafür muss man die finanziellen Möglichkeiten haben. Und das Militär? Immer wieder zeigen die Soldaten auch hier Präsenz, stoppen Fahrzeuge, schlagen illegale Geschäfte nieder. In größeren Städten kam es vereinzelt zu harten Übergriffen und Gewalt. Aber im Endeffekt können auch sie nichts daran ändern, dass Social Distancing in Afrika sehr, sehr schwierig umzusetzen ist.

    Militär in den Straßen von Eshowe

    Präsident Cyril Ramaphosa

    Südafrika im kalten Entzug

    Immerhin sind die Kriminalitätsraten in ganz Südafrika stark gesunken, was auch damit zu tun hat, dass seit Tag eins des Lockdowns kein Alkohol und keine Zigaretten mehr verkauft werden. Natürlich ist das eine gute Nachricht. Allerdings gilt auch hier, dass die Reichen sich vorher palettenweise mit Bier und Wein eingedeckt haben, während die Armen auf dem Trockenen sitzen. Das Thema wird heiß diskutiert, die Regierung steht aufgrund der harten Maßnahmen unter Beschuss. Bisher bleibt die Regierung trotzdem eisern. Die Stimmung ist angespannt, aber noch nicht besorgniserregend. Ob die Menschen allerdings eine weitere Verlängerung des Lockdowns hinnehmen würden? Ob die wirtschaftliche Not der Menschen die Regierung von Cyril Ramaphosa zwingen wird, das Land ab Mai wieder zu öffnen? Und wenn es sich öffnet: Ob eine verheerende Ausbreitung dann verhindert werden kann?

    Im Notfall kriegen wir eine Email

    Noch sind alle Grenzen ins Ausland fest verriegelt. Wir haben bei der deutschen Botschaft in Pretoria nachgefragt, ob es dort Pläne für den Krisenfall gibt – schließlich ist diese Möglichkeit aktuell nicht aus der Luft gegriffen. Beim Infotelefon für Corona-Fragen ging leider tagelang niemand ran, also versuchten wir es per Mail. Die Antwort des „Botschaftsteams“: Wir sollen uns auf die ELEFAND-Liste eintragen, um in Krisenfällen registriert zu sein. Auf dieser Liste stehen wir allerdings seit fünf Jahren, das gehört zum Standard, wenn man als Deutscher in Südafrika lebt. Also fragten wir nochmal nach, ob es denn nicht etwas Konkreteres angesichts von Corona gäbe. Daraufhin kam ein Einzeiler: „Sollte es zu einem Notfall kommen, erhalten Sie zu gegebenem Zeitpunkt weitere Infos.“

    Text & Photos: fuexxe, shutterstock, GovernmentZA

     

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