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Adventszeit im Zululand: Das sind Nikoläuse in Flipflops, Plätzchen im Plantschbecken und Knallbonbons am Grill. Wir wussten schon ungefähr, was auf uns zukommt – aber es ist trotzdem komisch, bei 35 Grad auf der Terrasse zu sitzen und Rumkugeln zu vertilgen. Oder sich zum Krippenspiel kurze Hosen anzuziehen und mit Sonnencreme einzuschmieren. Ein paar Rituale aus Deutschland haben wir nach Afrika exportiert: Den Adventskalender für Lean zum Beispiel oder das Plätzchenbacken. Kennt hier kaum jemand. Auch beim Thema Adventskranz hat Julia ziemlich seltsame Blicke geerntet: „What are these four candles for?

Niklaus_Julia

Zulubraut und Inder-Nikolaus

Father

Father Christmas und seine Bande

Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten: Weihnachten im Zululand fällt mit den sechswoechigen Sommerferien (Christmas Holidays) zusammen. In dieser Zeit schalten die Südafrikaner einen Gang zurück, fahren in den Urlaub und verbringen die Tage im Kreise der Familie. Meistens ist die Familie allerdings groesser als bei uns, es trifft sich ein ganzer Clan, alle Generationen sind vertreten, inklusive aller Tanten, Onkels und Grosscousins. Die Geschenke werden am Morgen des 25. Dezember geoeffnet, und der verantwortliche Mann in Rot heisst Father Christmas aka Santa Claus. In der Zeit vor den Feiertagen gab es für uns viele Einladungen zu Adventsfeiern und Weihnachtsmärkten, aber statt Glühwein und Tannennadeln standen eisgekühlte Getränke, Plastikbäume und Knallbonbons bereit – und ab und zu mal ein Nikolaus, der einen Zulutanz hinlegt.

Krippenspiel

Krippenspiel bei 40 Grad

Krippe

Afrikanische Krippenkunst

Niko_Lean

Siehst Du eigentlich was, Santa?

Die Kinder singen dazu „Santa Claus is coming to town“ und „Rock around the christmas tree„, und Father Christmas fährt in Flipflops auf dem Roller vor. Es kommt vor, dass Päckchen mit reichlich süssem Schund verteilt werden (Chips, Zuckerbrause und Kekse mit giftgrüner Füllung). Manchmal spricht der Nikolaus auch mit indischem Akzent („Where is Lee-Ann?“) Die Krippen werden wunderbar phantasievoll gestaltet (siehe Foto oben), genau wie das Krippenspiel mit einfachsten Mitteln. Und es wird sogar gewichtelt, zum Beispiel unter den Careworkern im Kinderheim. Was man sich so wünscht? Genau! Bettwäsche in der Farbe Peach. Ist dieses Jahr der letzte Schrei unter den Zuludamen.

Kid

So klein mit Hut

Christbaum

Sonderangebot: Fertigchristbaum aus Plastik

Subbamarkt

Dezenter Weihnachtsschmuck im Supermarkt

Last but not least: Zur Feier des Tages schmeissen viele Südafrikaner an Weihnachten den Braai an (macht man ja sonst nie) oder fahren ans Meer. Wir haben Bilder vom Strand in Durban zu Weihnachten gesehen, wo sich über die Feiertage und an Neujahr bis zu eine halbe Million Menschen treffen – muss eine sehr spezielle Erfahrung sein. In diesem Jahr werden wir diesen Hoehepunkt aber (noch) nicht erleben: Wir machen zwei Wochen Heimaturlaub und verbringen die Feiertage in Deutschland.

Text&Fotos: fuexxe

2 Comments, RSS

  • Heiko

    says on:
    10. Dezember 2015 at 23:44

    Hallo Daniel,

    Adventszeit in Südafrika? Interessant und schön zusammengefasst! Ich erinnere mich an Mitte Dezember in Sihanoukville in Kambodscha. Schön bei 35 Grad in Badehose im Hotel am Weihnachtsbaum vorbei, und währenddessen lief „Jingle Bells“ – so ähnlich wie bei Euch.

    Ihr seid zwei Wochen in Deutschland? Wahrscheinlich eher Mainz und/oder Bodensee und nicht München, oder? Sonst hätten wir uns ja mal auf ein Tässchen Rumtopf (guter Jahrgang übrigens!) treffen können.

    Viel Spaß mit Santa Claus und Grüße an Julia und Lee-Ann,
    Heiko

    • fuexxe

      says on:
      11. Dezember 2015 at 8:00

      Danke fuer Deinen Kommentar! Ja, komisch ist es manchmal schon, aber wir freuen uns ueber die Hitze – haben lange genug auf den Sommer gewartet. In Sachen Heimatbesuch melde ich mich bei Dir. Viele Gruesse an die Familie!

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